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Visionen

Das neue Jahr fängt gut an. Mit einer Erfolgsmeldung – Der Westbahnpark kommt!

Diese wichtige und einzigartige Stadtlandschaft mit Öffnung zur Stadt und Blick in den Wienerwald wird ein linearer Park, eine High-End-Wild-Line, eine Grünfläche für Inländer, Ausländerinnen, Alte, Junge, Dicke, Dünne und fürs Klima. Weil: Visionen machen es möglich!

Wien 1150, Schweglerbrücke / Westbahnstrecke 
01.01.2019

 

 

Wir brauchen Visionen!

Stadtplanung und andere konzeptionelle Tätigkeiten werden zunehmend von einer sogenannten Realität eingeschränkt. Dabei wird das System der ökonomischen und politischen (i.e. neoliberalen) Wirkkräfte, wie es heute besteht und durch kontinuierliche Einhaltung bestätigt wird, als gegeben dargestellt. Da es aber, frei nach David Graeber, den „unabänderlichen Lauf der Geschichte“ nicht gibt – er ist vielmehr ein Produkt der Handlungen, die bestimmte Ziele verfolgen – müssen wir den Denkraum öffnen. Das ist anderen auch schon gelungen, man denke nur an den erfolgreichen jahrelangen Kampf um Park Fiction in Hamburg, St. Pauli. Also: Her mit den Visionen!

Hier ein konkretes Beispiel: Ein neuer großer Park ist möglich – selbst in der dichten Stadt Wien:                       Der Westbahn-Park.

Beim 15. Wiener Gemeindebezirk [1] , Rudolfsheim-Fünfhaus, handelt sich um den am dichtesten bewohnten Außenbezirk Wiens mit 20.474 EinwohnerInnen pro km². Er ist außerdem jener mit dem geringsten Durchschnittseinkommen (Jahresnettoeinkommen 16.766 Euro, das sind 80 % des Wiener Durchschnitts), dem größten Anteil an BewohnerInnen, die nicht in Österreich geboren sind (46%) und mit dem geringsten Durchschnittsalter (38,6 Jahre). Die Wachstumsprognosen bis 2030 belaufen sich auf bis zu 19,5 %. Die bauliche Dichte ist sehr hoch (GFZ, 2,93).

Das bauliche Verdichtungspotential im städtebaulichen Bestand durch Aufstockung, Dachausbau und Lückenschließung ist enorm und bereits jetzt hinkt die Realität der Freiraumversorgung den Zielen der Stadtentwicklung weit hinterher und erreicht gerade einmal ein Viertel der angestrebten Flächen – das ist immer noch nur die Hälfte, wenn für die dichten Bestandsgebiete 50% angesetzt werden.

Im 15. Bezirk ist spürbar, was die Verdichtung der gründerzeitlichen Stadt bedeutet: mehr Menschen auf den Straßen, mehr Bewegung im Verkehr, mehr Personen in den Parkanlagen. Mehr Sprachen, mehr Altersstufen, mehr Begegnungen. Nördlich der Westbahn werden Gartenanlagen sehr dicht bebaut, Baulücken geschlossen, Dachböden ausgebaut. Südlich der Westbahn warten Areale mit niederer Bebauung auf Aufzonung und Aufstockung, bestehende Bebauung wird erweitert und Lücken werden bebaut.

Damit geht eine ökonomisch wie sozial positive Belebung und Durchmischung einher, der ein dringender Bedarf an ausgleichendem Freiraum gegenüber steht. Auf dem Areal der Westbahn fallen Stück um Stück aus der aktuellen Nutzung heraus: Bahngebäude stehen leer, Geleise werden nicht benutzt, Lagerräume sind verwaist. Dieses Stück Stadt-Landschaft hat herausragende Qualitäten: Der Blick in die Landschaft des Wienerwaldes ist frei, die Stadtkante zum Wiental öffnet die Sicht auf das Stadtgefüge, hier entsteht ein Gefühl von wirklich freiem, offenem Raum, der die Dichte der Stadt aufhebt. Hier muss der ausgleichende Park entstehen!

Ein ikonisches Stück Stadtlandschaft, ein sieben Hektar großer, topaktueller, dennoch dauerhafter und robuster linearer Park versorgt die bestehende und hinzukommende Bevölkerung mit Erholungsraum, mit kühlender Vegetation, mit Wegen durchs Grüne.

Diese utopische Idee findet viele Anhänger und Anhängerinnen, sie kann auf mehrere Arten realisiert werden, sie wird Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie wird ein Teil der Grünverbindung zum Wienerwald werden.

Wir fordern Sie daher auf: Entwickeln Sie Ideen für den linearen Park der Zukunft. Verwenden Sie die Plateaus und Lagerräume, strecken Sie den grünen Teppich in den Westen, schleifen Sie die Wege in die Böschungen ein!

Verdichtung: JA! Durchgrünung: JA! Bewegungsraum: JA! Begegnungsraum: JA! Freiraum: JA!

[1] Hier wird auf verschiedene statistische und planliche Quellen Bezug genommen, die die Landschaftsarchitektin Christina Kirchmair für ihre Masterarbeit zusammengestellt hat (Fertigstellung 2019).